Euroregionales Kulturzentrum St. Johannis Zittau e.V.
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Die Baugeschichte der Kirche St. Johannis (Johanniskirche) in Zittau

Zeittafel:

im Jahre 1230 ... die Johanniskirche wurde als romanische Basilika für den Johanniterorden errichtet, dessen Schutzheiliger Johannes der Täufer war, später zu gleichen Teilen auch Johannes dem Evangelisten geweiht wurde1485 bis 1504 ... Erweiterung um ein zweites südliches Hallenschiff zu einer gotischen Hallenkirche

ab 1704 ... gründliche Renovierung der Kirche, die durch den Einbau einer großen Silbermann-Orgel im Jahre 1742 abgeschlossen wurde
 
Silbermann-Orgel von 1742 Marienschrein aus der alten Johanniskirche, heute im Altar der Frauenkirche

1757 ... völlige Zerstörung des Baus durch österreichische Truppen im 7-jährigen Krieg

1766 bis 1837 ... Wiederaufbau der Kirche, der jedoch mehrmals durch Geldmangel und Neigung des neuen Südturms gefährdet wurde

1833 ... Anfrage des Zittauer Stadtrates an den Baumeister und Architekten Karl-Friedrich Schinkel mit der Bitte um einen neuen Entwurf für den Wiederaufbau der Kirche

1837 ... Einweihung der neuen Johanniskirche durch Pastor Primarius Klemm

1887 ... im Altarraum wird aus Anlaß des 50-jährigen Jubiläums der Wiedereinweihung, eine Nachbildung des „Segnenden Christus“, des dänischen Bildhauers Thorwaldsen aufgestellt

1929 ... Einbau der jetzigen Orgel durch die Orgelbaufirma Schuster aus Zittau
Das Bauwerk der Johanniskirche:

Der Grundriss der neu zu errichtenden Kirche (seit 1766) deckt sich fast mit dem der alten Johanniskirche (1230-1757), geht aber an der Südfront um eine Elle, ca. 60 cm, darüber hinaus. Da auch der Südturm größer als die Fundamente gebaut wurde, führte das bald zu dessen Neigung.

 

Der Riss an der Rückwand (Westseite links von der Orgel) ist seit 1832 zur Ruhe gekommenen und noch zu sehen.
Der Baumeister Karl-Friedrich Schinkel, der das Angebot zum Umbau angenommen hatte, verbot das Aufsetzen einer hohen Turmspitze. Nur noch die zweistöckige Türmerwohnung durfte gebaut werden, die bis heute einen Türmer beherbergt. Der Südturm dient heute als Aussichtsturm und kann täglich bestiegen werden.

 

Der Nordturm oder Glockenturm, war nicht völlig zerstört und Schinkel stellte ihn ähnlich im neugotischen Stil wieder her.

 

Die Fassade gliederte der Baumeister völlig neu, so dass sich auch trotz der Verschiedenartigkeit der Türme aus allen Sichtrichtungen ein harmonisches Bild ergibt.

Der Innenraum der Kirche

Das Bild im Altarraum stellt den Evangelisten Johannes in dem Moment dar, als er die „Offenbarung des Johannes“ auf der Insel Patmos empfängt. Es stammt von dem Leipziger Professor Bernhard Wilhelm Rosendahl (1804-1846) und wurde auf Goldgrund gemalt.

 

Im Gesims darüber finden sich die Worte „Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, der du allein der wahre Gott bist, und den, den du gesandt hast, Jesum Christum. (Johannes-Evangelium 17,3) “.

 

Auf Rosendahl gehen wohl auch die Entwürfe zurück, die die 7 Feldern der Kanzel schmücken und von J.L.Buschkiel aus Greifswald gemalt wurden. Sie stellen biblische Szenen dar, die jeweils durch Worte aus der Hlg. Schrift erläutert werden.

 

Der Taufstein ist aus Zinkguss und ein Entwurf Schinkels. Ebenso die hölzerne Kassettendecke, der dem zu schweren und schon errichteten Tonnengewölbe weichen musste, weil das für die Wände zu viel Gewicht mit sich brachte und so zur Neigung des Turmes beitrug.

 

Statt der barocken Grundgestaltung hat Schinkel dem Bau klassizistische Züge gegeben. Neben der Nikolaikirche in Leipzig und der Nikolaikirche in Potsdam dürfte die Johanniskirche in Zittau zu den bedeutendsten eines solchen Kirchenbaus sein.